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6 Eigenschaften einer guten Führungskraft – Kerstin Renner

08/12/2020

Sandwiches schmecken frisch am besten:

6 Eigenschaften, die eine gute Führungskraft ausmachen – und wie du sie frisch halten kannst.

 

Eigenschaften guter Führungskräfte

Was sind eigentlich die wichtigsten Eigenschaften einer guten Führungskraft und wie schafft man es, diese Eigenschaften auch im Führungsalltag zu leben? Wie kann man sich die positiven Attribute immer wieder vor Augen führen und dadurch Mitarbeiter*innen zu mehr Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit führen? Diese Fragen beantwortet TAM Business-Trainerin Kerstin Renner, ehemalige Director Controlling eines großen deutschen Kreditinstituts und selbstständige Führungskräftetrainerin, in diesem Gastartikel:

 

Als Führungskraft bist du stets gefragt. Dein Team möchte einen Rat oder eine Entscheidung von dir. Deine Vorgesetzten fragen nach deinen Ergebnissen. Immer wieder Zielvorgaben erreichen, Lösungen finden, Konflikte lösen, Prozesse managen – und dabei motivieren, begeistern, empathisch sein und zuhören können. Am besten, jeden Tag in der gleichen ausgeglichenen, fast schon Zen-artigen Verfassung und mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Puh, ganz schön anstrengend. Nicht umsonst spricht man hier auch von sogenannten „Sandwich-Positionen“ – man wird von oben und unten eingequetscht. Wie der Belag eines Sandwiches eben.

Und, wie frisch fühlst du dich so als Sandwich-Belag? Hast du neben den ganzen Aufgaben als Führungskraft auch noch Zeit, dich selbst zu führen und fit zu halten? Wenn du jetzt mit dem Kopf schüttelst, würde mich das nicht wundern. Denn leider fällt das „um sich selbst Kümmern“ bei so einem Aufgabenpensum schnell hinten runter. Und dabei ist es so wichtig. Denn du und dein Selbst sind das Fundament, auf dem du all das erfolgreich bewältigen kannst. Und das sieht dein Team genauso. Denn am leckersten schmeckt immer noch ein frisches Sandwich. 😉

 

6 Eigenschaften einer guten Führungskraft - Kerstin Renner 1

 

Was für Zutaten sind das genau, die gute Führungskräfte ausmachen?

 

Eine gute Führungskraft sorgt im ersten Schritt für zufriedene Mitarbeiter*innen und im zweiten Schritt für den Erfolg des Unternehmens. Denn glückliche Mitarbeiter*innen bleiben länger und sind produktiver. Das ist in vielen deutschen Unternehmen noch nicht angekommen. Häufig dominieren nach wie vor alte Führungs- und Hierarchiebilder, die als gute Führungseigenschaften Dominanz, Härte und Stärke verstehen.

Das Arbeitgeber-Bewertungsportal kununu hat in einer aktuellen Auswertung seiner Bewertungsdaten festgestellt, dass es leider immer noch viele deutsche Unternehmen mit problematischem Führungsverhalten gibt. Und dass die Unternehmen, in denen das Vorgesetztenverhalten niedrig bewertet wird, tendenziell auch Arbeitgeber sind, die grundsätzlich von ihren Mitarbeiter*innen niedriger bewertet werden. Umso wichtiger ist es also, dass Führungskräfte die Fähigkeiten mitbringen, die es braucht, um das Team zu stärken und damit letztlich auch das Unternehmen voranzubringen.

Das „Project Oxygen“ von Google hat einige Kernkompetenzen identifiziert, die überdurchschnittlich häufig bei den Führungskräften zu finden waren, die als „gute Führungskräfte“ wahrgenommen wurden. Demnach machen „gute Führungskräfte“ aus, dass sie:

 

  • gute Coaches sind
  • das Team bestärken und auf Micromanagement verzichten
  • sich für das persönliche und private Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden interessieren
  • produktiv und ergebnisorientiert sind
  • sich als gute Kommunikatoren erweisen
  • bei der Karriereentwicklung ihrer Mitarbeitenden helfen
  • eine klare Vision und Strategie für ihr Team haben
  • fachliche Expertise besitzen, die dabei hilft, das Team zu beraten
  • innerhalb des Unternehmens kollaborieren und entscheidungsfreudig sind

 

Diese wunderbaren Kompetenzen finden sich auch in den Eigenschaften einer guten Führungskraft wieder. Durch deine Persönlichkeit bringst du schon viele dieser Eigenschaften mit. Das heißt jedoch nicht, dass sie immer abrufbar sind und du stets weißt, wie du sie richtig einsetzen sollst. Durch Selbstreflexion, Austausch und persönliches Lernen wirst du darin aber immer besser, selbstsicherer und erfolgreicher.

 

Das Geheimrezept – 6 Eigenschaften einer guten Führungskraft

Eigenschaften guter Führungskräfte

 

1.In schwierigen Situationen greifst du auf deine eigenen Ressourcen zurück – durch deine Resilienz und Geduld.

 

Als Führungskraft wirst du früher oder später mit Konflikten auf unterschiedlichsten Ebenen konfrontiert werden. Resilienz hilft dir dabei, Spannungen zu bewältigen und sie als Anlass für Entwicklung zu nutzen. Dabei greifst du auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zurück, die dir helfen, handlungsfähig und produktiv zu bleiben. Synonyme sind Widerstandsfähigkeit, Robustheit, Zähigkeit.

In der positiven Psychologie spricht man von 7 Quellen, die zur Stärkung der Resilienz führen:

  • Lebensfreude und Optimismus,
  • Positive und konstruktive innere Kommunikation,
  • Positives Selbstbild und Selbstwertschätzung,
  • Emotionale Intelligenz und Freundeskreis,
  • Glaubenssätze und Werte, die dich stärken,
  • Selbstwirksamkeit und Proaktivität,
  • Realistische Ziele und ein Lebensplan, der begeistert.

 

Ergänzt wird die Fähigkeit der Resilienz idealerweise mit dem Charakterzug Geduld. Einerseits, weil Konflikte sich häufig nicht von heute auf morgen lösen. Andererseits, weil Erfolg nicht über Nacht eintritt und du wesentliche Entscheidungen nicht überstürzen solltest.

 

2. Du versuchst die Gründe hinter dem Verhalten deiner Mitarbeiter*innen zu verstehen – durch deine emotionale Intelligenz.

 

Als Coach und Kommunikator ist es wichtig, seinem Gegenüber aktiv zuzuhören, mitfühlen zu können und verständnisvoll zu sein. Dafür ist ein hoher Grad an emotionaler Intelligenz entscheidend. Davon bringst du schon einen guten Teil mit. Um darin aber immer besser zu werden, ist konstante Arbeit an dir selbst nötig. Belohnt wird es durch deine Mitarbeiter*innen, die dir vertrauen und dich als Vorbild anerkennen. Denn du kommunizierst mit ihnen auf Augenhöhe. Dadurch kannst du Konflikte schneller lösen und deinem Team die bestmögliche Unterstützung geben.

 

3. Du suchst nach gemeinsamen Lösungen – durch deine Konstruktivität und Lösungsorientierung.

 

Dein Team besteht aus individuellen Charakteren, die alle unterschiedlich arbeiten und Probleme lösen. Eine der besonders wichtigen EIgenschaften einer guten Führungskraft ist es, mit konstruktivenm Verhalten und Lösungsorientierung dafür zu sorgen, dass ein gemeinsames Verständnis wächst und gemeinsam Lösungen gefunden werden. Durch deine konstruktive Arbeitsweise verhinderst du Ellenbogenverhalten. Du bist in der Lage, unterschiedliche Perspektiven zu verbinden und in ein übergeordnetes Ziel zu adaptieren.

 

4. Du verhinderst Gerüchte und schaffst Vertrauen – durch deine Transparenz.

 

Dein Team ist Teil des Ganzen – und möchte daher auch einen Teil der Informationen bekommen, dass es benötigt, um sich gehört und gesehen zu fühlen. Denn nur so kann es mit einem sicheren und positiven Gefühl weiter an den gemeinsamen Zielen arbeiten. Du kommunizierst daher deine Entscheidungen klar und transparent. Und setzt deine Ankündigungen und Versprechen auch um. So verhinderst du Gerüchte – denn nicht Gesagtes verpufft nicht, sondern ist eher ein Brandbeschleuniger. Und so zeigst du deinem Team, dass du verlässlich bist und proaktiv handelst. So wächst das Vertrauen in dich als Führungskraft weiter – und für was das gut ist, hast du ja bereits unter Punkt 2 gelesen.

 

5. Unterschätzt und doch so entscheidend – deine Leidenschaft.

 

Natürlich verspürst du eine Leidenschaft für deinen Beruf. Aber zeigst du sie auch aktiv? Genau das ist entscheidend. Zeige deine Begeisterung für das, was ihr als Team macht. Und du wirst sehen, der Funke wird überspringen und jeder aus deinem Team wird seine Energie und Kompetenzen voll und ganz einbringen.

 

6. Du stehst für dein Team ein und gibst deine eigenen Fehler zu – durch dein Verantwortungsbewusstsein.

 

Eigenschaften einer guten Führungskraft

 

Sie ist wohl einer der ältesten und essentiellsten Eigenschaften, die einer guten Führungskraft zugesprochen wird. Verantwortung zu tragen heißt jedoch heute nicht mehr, sich vorne hinzustellen und zu sagen „Ich bin Leiter*in der Abteilung XY“. Es heißt viel mehr „Ich bin verantwortlich, dass mein Team das bestmögliche für unser Unternehmen im Bereich XY macht“. Und deshalb stehst du für alles ein, was ihr als Team abliefert. Dazu gehören auch Fehler und falsche Entscheidungen. Und da du eine Vorbildfunktion hast, stehst du als Erste*r zu deinen eigenen Fehlern und falschen Entscheidungen – und kommunizierst sie natürlich transparent und klar.

Das sind eine Menge Kompetenzen und Eigenschaften, die man von Dir als Führungskraft erwartet, nicht wahr? Und sie klingen alle total plausibel und logisch. Bestimmt kannst du hinter den meisten einen klaren Haken setzten mit „Ja, hab ich“. Doch hast du sie auch immer parat? Und kannst du sie wirklich immer abrufen? Sind sie eine Grundzutat deines Sandwich-Belages? Und was brauchst du dafür, um sie frisch zu halten?

 

Was, wenn du die Zutaten alle hast – und es trotzdem nicht funktioniert?

 

Ich würde heute sagen: Ja, aus Sicht meines Teams war ich eine gute Führungskraft. Das habe ich regelmäßig in 360-Grad-Feedbacks gespiegelt bekommen. Ich war die empathische, vertrauensvolle, leidenschaftliche, transparenzschaffende, verantwortungsvolle Chefin. Wir haben viele Projekte und Ausnahmesituationen gemeinsam gerockt und dabei eine Menge Spaß gehabt. Aber da gab es eben auch die andere Seite des Sandwiches. Die Führungsebene über mir. Da kam ich mit meinen Führungskompetenzen und Eigenschaften nicht weiter. Da galt noch die Devise: sei wie Teflon, sei nicht emotional, tu was ich sage. Eine ganz andere Welt, und doch in der gleichen Firma. Verrückt. Natürlich dachte ich – ganz in Selbstreflexion geschult – was kann ich selbst an mir ändern? Wie kannst du deine Resilienz stärken und dich durch den Druck von oben nicht unterkriegen lassen. Das hat mich nach mehreren Monaten so viel Kraft gekostet, dass ich für meine eigentlichen „guten“ Führungskompetenzen keine Energie mehr hatte. Dabei hatte ich doch alles, was man für eine gute Führungskraft brauchte. Warum funktionierte es trotzdem nicht? Warum war ich plötzlich so schwach?

 

Du trägst die Lösung in dir.

 

Heute kann ich sagen: Um meine Kompetenzen und Eigenschaften wirklich wirksam werden zu lassen, muss ich in mir ruhen können. Und in mir ruhen kann ich, wenn ich weiß, wer ich bin. Wenn ich weiß, was meine echten Stärken und meine echten Werte sind. Warum fühlte ich mich also damals so schwach? Die Führungsetage über mir sah nicht nur nicht meine echten Stärken sondern trat meine Werte auch noch mit Füßen. Sie handelte absolut konträr zu meinem Wertesystem. Natürlich sind in einem Unternehmen die Wertesysteme nicht immer kongruent. Aber sie sollten zumindest in den wichtigsten Werten übereinstimmen.

Wie sieht es denn bei dir aus? Kennst du deine Stärken und Werte? Nicht die, die du meinst, haben zu müssen oder die von dir erwartet werden. Ich meine deine echten Stärken und Werte, deine Geheimzutat für deinen ganz persönlichen, unnachahmlichen Sandwichbelag.

Wenn du dir sicher bist, dann herzlichen Glückwunsch. Du bist schon einen großen Schritt weiter und kannst mit deiner inneren Ruhe dein Team glücklich führen. Wenn du dir noch nicht sicher bist, dann nimm dir die Zeit für dich und schau noch einmal nach. Das kannst du mit Hilfe von Freunden machen. Sie wissen sofort, was deine Stärken sind. Oder du arbeitest gemeinsam mit einem Coach. Er kann dich auf der Suche nach deinen Stärken und Werten begleiten. Und wenn du gleich mal loslegen willst, hier ein kleiner Selbsttest, um deine Werte zu finden!

Glückwunsch! 5 Minuten hast du Dir gegönnt, um meinen Artikel zu lesen. Jetzt ist es an dir, daraus mehr zu machen und dir deine Zeit zu nehmen. Also schnapp dir ein leckeres Sandwich und fang an!

6 Eigenschaften einer guten Führungskraft - Kerstin Renner 2

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